Im Winter, wo der Anblick von Frauen in Nylons und Strapse
doch eher zur Seltenheit wird, weil die moderne Frau in der
Öffentlichkeit inzwischen lieber wattierte Hosen, als lange
Pelzmäntel trägt, unter die ja immer noch ein kalter Wind und
ähnliches pfeifen kann, bietet jede Grablegung die Chance auf
angenehme und schweigsame Minuten neben einer Frau in schwarzen
Strümpfen, die garantiert einen Strumpfhalter trägt. Daß man
dafür vor einer Grube stehen und frieren muß, ist natürlich
nicht besonders angenehm. Doch inzwischen habe ich bemerkt,
daß die durchgefrorenen Witwen in Strapse sich gleich nach dem
Begräbnis zu Hauf in den umliegenden Cafés aufwärmen. Und nach
zwei Tassen heißen Kaffees in den gut geheizten Räumlichkeiten,
neigen die meisten Witwen dazu sich recht bald überflüssiger
Kleidungsstücke zu entledigen und übrig bleibt gewöhnlich: Eine
schicke schwarze Witwe in Strapse. Lediglich Hut und
Handschuh, werden, gleich welche Temperaturen herrschen nicht
abgelegt. Wohl eine letzte Ehrenbezeugung an den verblichenen
Gatten.
Was das Frieren am Grab angeht, so habe ich mir inzwischen
angewöhnt meine freie Zeit, sofern Mutti mich läßt, in den Cafés
rund um den Friedhof zu verbringen. Da gibt es im Winter reichlich
zu sehen und der eine oder andere gut geschenkte Cognac hebt
die Stimmung wieder auf ein erträgliches Maß.
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Frauen, die rauchen
Joanne Lafontaine
Witwen
Frauen mit Handschuhen
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